Ueber Balkanhass und Mitteleuropa-Gehabe bei den Rumaenen… (von Dan Alexe)

SANYO DIGITAL CAMERAAnsicht aus Moskopolis/Albanien, einem aromunisch gepraegten, ehemaligen kulturellen Mittelpunkt auf dem Balkan

Mini-Vorwort von Hans Hedrich zum Artikel von Dan Alexe:
Ich teile die Ansichten des Autors in seinem Artikel weiter unten zu 100 Prozent! Mehr noch: aus siebenbuergischer Sicht glaube ich, dass die Re(tro)balkanisierung der Rumaenen es Siebenbuergen und den Siebenbuergern jeglicher Nationszugehoerigkeit und Konfession erlauben wird, sich auf einem Fundament der historischen Wahrheit und des gegenseitigen Verstehens neu zu definieren. Andererseits: Was heute negativ besetzt ist – das ‘Balkanische’ – kann/wird morgen ein Trumpf sein und in der Form des Vitalismus und einer gesunden Skepsis gegenueber hypersuperentwickelten und dadurch wiederum wertezerstoerenden Gesellschaftssysthemen fuer die westlichen Kulturen bereichernd sein.

Folglich werden wir uns als Europaer und Siebenbuerger mittel-/westeuropaeischer Praegung einerseits und solchen (sued)osteuropaeischer Praegung andererseits das jeweils Beste vom anderen annehmen koennen, anstatt uns gegenseitig mit unseren Schwaechen zu sekieren – sprich westliche Besserwisserei und Arroganz versus oestliche Korruption und Luegenkultur. Gewinner waeren wir alle – nicht nur in Siebenbuergen, sondern in ganz Rumaenien und sogar darueber hinaus. Denn: Die identitaere Reife des “Volkes” wird mit Sicherheit auch eine wirtschaftliche, verwaltungstechnische und gesamtgesellschaftliche Reife mit sich bringen – und dadurch das gefaelle zum Westen verringern. Was in unseren Gegenden wiederum die Minderwertigkeitskomplexe der Rumaenen/’Balkanier’ einerseits und den Provinzialismus der Ungarn, Sachsen/Schwaben und sonstiger Mitteleuropaer in Siebenbuergen/Rumaenien andererseits abbauen hilft.

Der aufmerksame und unvoreingenommene Beobachter wird erkennen koennen, dass Siebenbuergen, obzwar am Rande Mitteleuropas gelegen, gleichzeitig ein eine Mitteleuropa im Kleinen darstellt, genauso, wie Rumaenien insgesamt eine Art Ost-West-Gesamteuropa im Kleinen verkoerpert. Aus verschiedenen Gruenden – die groesstenteils bei uns hier zu suchen sind -, sind wir (noch) zu dieser grundlegend einfachen und doch faszinierenden Erkenntnis nicht im Stande, geschweige denn dazu, sie dauerhaft und klug zu nutzen.
Erleuchtung, komme ueber uns!
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Ueber Balkanhass und Mitteleuropa-Gehabe bei den Rumaenen…
von Dan Alexe, Bruessel
Originaltitel: Jena balcanică si fandoseala cu Mitteleuropa…

Mehrmals habe ich ueber die balkanische Identitaet [und Herkunft – H.H.] der Rumaenen geschrieben, was “ueberraschenderweise” bei vielen Lesern Empoerung ausloeste. Dabei moechte ich auf die Beschimpfungen und die Unterstellungen, ich wuerde die geographischen Gegebenheiten nicht kennen, gar nicht eingehen. Was mich am meisten ueberrascht hat, ist, wie viele wohlmeinende Leute sich am schmueckenden Beiwort “balkanisch” stoeren. Verstaendlich, hat doch angefangen von der ‘Siebenbuergischen Schule’ (Scoala Ardeleana) bis hin zum Protochronismus unter Ceausescu eine solide Verschwoerung des Schweigens systhematisch die balkanische Identitaaet der Rumaenen zu verstecken/verschweigen versucht. Nachdem wir bei allen Balkankriegen teilgenommen (und einen Streifen der bulgarischen Kueste besetzt) hatten, wo sich eine unserer romantischen Koeniginnen eine Phantasievilla mit Minarett bauen liess, die pompoes “Palast” genannt wird… Nachdem wir bei allen Balcaniada-Sportwettkaempfen teilgenommen hatten… Nachdem wir aus den Geschichtsbuechern gelernt hatten, dass wir im Mittelalter auf dem Balkan ein Vlachisch-Bulgarisches Reich unter der Aseniden-Dynastie hatten… Nach alldem also sind wir heute jedes Mal pikiert, wenn man uns auf den balkanischen Charakter unserer Kultur hinweist.

Die neuen Geschichtsschreiber und einige Politiker, die den Trend erkannt haben, versuchen durch lauter ungelenke Manoever, uns in den scheinbar zentralen und ehrwuerdigen Gegenden [Mitteleuropas] zu lokalisieren. Widerspruechliche Manoever uebrigens. Denn, wie kann man einerseits stolz sein auf Schriftsteller wie Caragiale (Vater und Sohn), denen es gelungen war, das Wesen des Balkanischen zu erfassen und niederzuschreiben und sich gleichzeitig eine Mitteleuropa-Identitaet schaffen, die an Wien, an Kafkas und Kunderas Prag anknuepft, oder noch grotesker, sich an praetentioesen den Klischees von Bukarest als dem Paris des Balkans zu berauschen? (Selbiges wird auch ueber Belgrad und Sofia gesagt – aber belassen wir es dabei!) Die Angst vor dem Balkanismus hat vielfaeltige Wurzeln, wobei fast alle auf einen soliden Minderwertigkeitskomplex zurueckzufuehren sind. Minderwertigkeit gegenueber den Serben und Bulgaren, die alle Charakterzuege des ‘Balkanischen’ aufweisen, jedoch ohne unsere Komplexe.

Menschen, die scheinbar mit Lust trinken koennen, ohne ungter den Tisch zu fallen, die mit der Kalaschnikow schiessen, wenn es etwas zu feiern gibt und die ihre Klanstrukturen und das hajduckenhafte Misstrauen gegenueber der Obrigkeit beibehalten haben. Drueben, auf der mitteleuropaeischen Seite, haben wir das Modell, einer langwweiligen aber effizienten Verwaltung, die revolutionaere Phantasien niedergerungen, dafuer aber das Aufbluehen einiger literarischer und kuenstlerischer Genies erlaubt hat, die ihre Depressionen in Kreativitaet umzuwandeln vermochten. Es bedarf eines Generationenwechsels und neuer Historiker und Sprachforscher, die ohne diese Minderwertigkeitskomplexe leben, ohne kulturelle und geschichtliche Voreingenommenheit, die die balkanische Quintessenz unseres Charakters, unserer Kultur und unserer Geschichte hervorheben werden.

Die ausserdem die vorsaetzlichen Luegen und Auslassungen unserer traditionellen Geschichtsschreibung und Sprachwissenschaft aufzeigen werden. Erst dann werden wir uns von Komplexen befreien und erneut balkanisch werden – so, wie es auf eine rasuchhafte Art und Weise Caragiale auch gewesen war. Wir muessen jedoch auch unser ideologisches Getue ablegen und stoerende geschichtliche Tatsachen akzeptieren, wie z.B. Die Tatsache, dass der Name der Aseniden, den Gruendern kurzlebiger Reiche, eher tuerkischer Herkunft ist und dass der Palast der Koenigin Maria in Balchik von ziemlich schlechtem Geschmack.
So beginnt jeder Heilungsprozess.

Posted by at 12/05/2013
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2 Responses to Ueber Balkanhass und Mitteleuropa-Gehabe bei den Rumaenen… (von Dan Alexe)

  1. Coane, nu auzisem de prea-eruditul Dan Alexe dar contactul cu „comparatismul lingvistic” te-a trădat. Îți lipsește ceva și din persoană nu doar din personalitate.Nu m-am mirat de fel că există oameni care te detestă pur și simplu.Pentru cultura d-tale generală în l.finlandeză POIKA înseamnă BĂIAT iar CASĂ nu este KOT ci KOTI.Cred că este vorba de o lipsă „caracteristică de caracter” dacă te bagi în teme ce îți sunt străine prin definiție.Este fățișă ura purtată românilor, ce nici nu încerci a o ascunde. Aș avea o întreagă bibliografie de recomandat dar două, trei lucruri nu ar strica de fel:Strabon,Petru Maior și Miceal Ledwith.Apropos, băiatul cu „hai sictir” nu știe că în turcă înseamnă nevimovatul „pleacă de aici!”.

  2. Măi omul lui Dumnezeu, dacă vorbești despre Lügen und Auslassungen fii atent:Fr. Engels scrie în Neuer Rheinischer Post(1948) un articol despre popoare fără istorie. ASTA DA MINCIUNĂ CE ȚINTEA DISTRUGEREA ACESTOR POPOARE.Paradoxal, Valery Giscard D`Eistang vorbea într-un interviu(interview, dacă preferi,)despre Nomaden când era vorba, eu n-am înțeles prea clar dacă referința era la Marx sau Engels.Nici nu are importanță, de fapt!Un Roller scrie istoria românilor comentată de fam.Daicoviciu?Chiar nu vă este rușine să vorbiți despre LÜGEN UND AUSLASSUNGEN? Băi fofilatule ți s-ar fi potrivit numele Arșinel, că tot vorbești UNGTER anderen Sprachen auch die schöne deutsche Sprache.Hai pleacă!

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