Über sieben Lügen mußt de gehn… Wie die Peter-Maffay-Stiftung die Radelner Kirchenburg zu retten vergaß

Hart hält sich in Radeln das Gerücht, daß anno damals, als die Peter-Maffay-Stiftung das Pfarrhaus erst mieten und dann unbedingt kaufen wollte, diese große und verlockende Versprechungen bezüglich der Restaurierung der dazugehörigen Kirchenburg machte. Mitte Februar d.J. rumpelte dann der einst (nicht) “sanierte” Kirchturm zur Hälfte herab, wo er seither in Form eines Schutthaufens in Frieden ruht.

Herr Hietsch, der Kurator der Kirchengemeinde, erwähnte mir gegenüber am Tag nach dem Unglück ein Protokoll, das die PM-Leute und der Kirchenbezirk Kronstadt (zu dem Radeln gehört) beim Pfarrhauskauf unterzeichnet hätten, in dem die Stiftung detaillierte Maßnahmen zur Sicherung der Kirchenburg auflistete. Geschehen ist seither, bis auf die (angeblich miserable) Neudeckung des Kirchturmdaches wenig bis gar nichts. Herr Hietsch fügte noch hinzu, daß ihm trotz zweimaliger Bitte der Kirchenbezirk die Herausgabe des Protokolls verweigert hätte, obwohl Herr H. einer der Mitunterzeichner gewesen war… “Intransparenz ist ein Zeichen der Korruption”, heißt es übrigens im Volksmund der zivilgesellschaftlichen Organisationen…

Bemerkenswert, daß Peter Maffay höchstselbst kurze Zeit, nachdem die polemische Diskussion auf Facebook über den teilweisen Einsturz des Turmes entflemmt war, PR-technisch in die Offensive ging und per Presseerklärung in deutschen Medien verlauten ließ, er bedauere den Schaden an der Kirche sehr – und hätte schon vor Jahren auf den baufälligen Zustand des Turmes hingewiesen. Ein geschickter kommunikationeller Schachzug, kann man nur sagen, mit dem sich PM gekonnt aus dem drohenden Imageschlamassel herauswand. Wie bei der Abseitsfalle im Fußball machte PM im richtigen Moment einen schnellen Schritt nach vorne – und ließ dadurch die ehemaligen Besitzer seiner Immobilie (das Pfarrhaus) ziemlich “betrepst” und dumm dastehen.

Nun stellt sich aber doch heraus, daß am anfangs erwähnten Gerücht viel Wahres dran ist, denn siehe da, im Internet findet sich eine Art Projektvorstellung seitens der PM-Stiftung Radeln aus dem Jahre 2009 mit einer Auflistung der geplanten zukünftigen Arbeiten – ja, auch und vor allem an der Kirchenburg. Im Wesentlichen handelt es sich wohl um das, was laut Herrn Hietsch auch im verschwundenen Protokoll stehen würde.

Und so liest sich die schöne Mär im Prospekt Kirchenburg Radeln – ein Schutzraum für Kinder: “1. Maßnahmen gegen Wandfeuchte, Reparatur des Dachtragwerks und der Dachdeckung; 2. Restaurierung der bemalten hölzernen Inneneinrichtung aus dem 18.Jahrhundert 3. Glockenturm: Konsolidierung der gerissenen Turmwände, Sicherung und konstruktive Verbesserung des hölzernen Turmdachs, Wiederinbetriebnahme des Geläuts 4. Lehrerwohnung: Statisch-konstruktive Reparatur des Dachtragwerks, Umgestaltung als Gottesdienstraum (OG); Einrichtung eines „Burgcafés“ im Erdgeschoss 5. Kindergarten Statische Sicherung und Herrichtung für eine öffentliche Nutzung 6. Schulturm: Sanierung und Nutzung als Info- und Ausstellungsraum 7. Zwinger und Burghof: behutsame gartengestalterische Maßnahmen.” (Einiges davon wurde realisiert, aber auch dabei soll viel falsch gelaufen sein…)

1.996.000 Euro sollte das Ganze kosten – und 2015 fertig sein. Hier nochmal der Link dazu. Banale Schlußfolgerung: Peter Maffay hat zumindest einmal gelogen: Entweder 2009 oder 2016. Kein weiterer Kommentar. Oder doch? Dieser Tage lief angeblich ein Journalist aus Deutschland durch Radeln und versuchte, Augenzeugenberichte über viele, gar nicht so banale Vergehen und über ziemlich üble “Ausrutscher” der PM-Vertreter (v.a. des Verwalters Michael Mort) zu dokumentieren. Ein 15-jähriger Radelner, der behautete, vor einigen Jahren von Mort geschlagen worden zu sein, sprach erst offen mit dem Journalisten, um sich am Tag darauf zu verweigern, weil er im Dorf angeblich bedroht worden sei.

In Radeln bröckelt nicht nur die morsche Bausubstanz, sondern ziemlich arg auch der siebenbürgische Mythos Peter Maffay. Erst recht, wenn man obendrein auf Wikipedia lesen muß, daß “Über sieben Brücken...” gar nicht von “unserem Peter” stammt, sondern von der DDR-Band Karat. :-( Singen wir also alle fröhlch im Chor:
Über sieben Lügen mußt du gehn… Sieben dunkle Jahre überstehn! Sieben Mal wirst du die Asche sein, aber einmal auch der …schöne Schein! (Oder war’s der bröckelnde Stein?)

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Oben: Peter Maffay in Gesellschaft vor dem Pfarrhaus Radeln. Im Hintergrund die Kirchenburg mit dem damals noch intakten, miitlerweile halb eingestürzten Turm. Quelle. aussiedlerbeauftrageter.de

Hans Hedrich
08. 03. 2016

PS: Vielen Dank an MP für die Hinweise zum Prospekt von PM!

Posted by at 08/03/2016
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