Transylvanisches Tagebuch: Schäßburger Cafehaus- und Gaunergeschichten

Montag, 28. 04. 13:
09.00h: Das Händi schüttelt und rüttelt mich aus dem süßen Schlaf. Die Buchhalterin will mich treffen wegen der Übergabe der Vereinsunterlagen. Die Buchhaltung kostet uns pro Jahr 500 Lei. Geht; ist nicht zu teuer. Unsere frühere Buchhalterin hatte uns zuletzt , um 2010 herum, dafür 1000 Lei abgeknöpft und die Buchhaltung doch nicht gemacht – genauso, wie sie es mit einem guten Dutzend Schäßburger Firmen auch getan hatte…

09.25: Raus aus dem Haus. Geld ziehen vom Geldautomaten – er gibt immer noch was her… Das ist gut. Bemerke in der Unterstadt, daß das altehrwürdige und leider sehr heruntergekommene Hotel Stern renoviert wird. Das ist gut. Trotzdem fehlt die obligatorische Infotafel auf der Baustelle. Das ist schlecht. Vermute, daß sie die benötigten Denkmalschutz- und Baugenehmigungen nicht haben. “Drohe” einem der Vorarbeiter auf der Baustelle mit Anzeige, wenn sie die Tafel nicht anbringen. Immerhin ist das Hotel denkmalgeschützt und eines der repräsentativsten Gebäude unserer Stadt. Habe diese ewige Intransparenz und das ganze peinliche Gemurkse und Gemauschel in Sachen Denkmalschutz sowas von satt!

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Hotel Stern. Quelle: Internet

09.50: Buchhalterin bezahlt. Kaum daß wir uns getroffen hatten, läutete schon ihr Telefon. Ende April müssen Firmen und Vereine/Stiftungen die Jahresabrechnung beim Finanzamt abgeben… Die Buchhalterin ist wie immer in Eile. Kann sie nicht einmal fragen, wie ich das mit meiner eigenen Steuererklärung machen soll. Kann nämlich selbst entscheiden, ob ich für Aufträge von ausländischen Arbeitgebern in DE oder RO Steuern zahle… Würde ich über meine deutsche Adresse arbeiten, wäre das günstiger für mich, weil ich den Genuß des Steuerfreibetrages  käme. Will aber für meinen nächsten Auftrag aber die Schäßburger Wohnadresse angeben – und unserem armen, von Polit- und Mafiazecken ausgesaugten Gemeinwesen auch etwas zukommen lassen. Vermute schon, daß ich für diesen meinen Idealismus teuer bezahlen werde!  😉

10.00: Setze mich in ein Cafe am Alten Markt. Der Inhaber ist ein guter Bekannter von mir; bestens vernetzt und über die Lokalpolitik informiert, hat er Zugang zu Insiderinformationen über die haarsträubenden Machenschaften der Lokalprominenz. Und hier sind die Schäßburger Neuesten Nachrichten:

– Adi Popa, der Groß-Alischer Kleinmafioso, der in der UNESCO-geschüzten Zone der Altstadt ohne Baugenehmigung Spannpreßplatten-Bauten errichtete, versucht sich aus einem drohenden Strafprozeß zu stehlen, stellt sich vor den Ermittlern dumm und zieht bei seinem Freund, dem Bürgermeister, sowie beim Denkmalschutzamt des Kreises Mieresch/Mures die Strippen, um die nötigen Papiere für die “Legalisierung” der illegalen Bauarbeiten zu erhalten.

Die ermittelnde Staatsanwältin gab jedoch zu verstehen, daß dafür wenig Spielraum sei und daß sie, obwohl Kollegin des ehemaligen Schäßburger Oberstaatsanwaltes Aldea, NICHT wie er arbeite. Genosse Aldea, eine schwarzsinistre – jedoch von unserem evangelischen Stadftpfarrer durchaus geschätzte Person – hat nachweislich sexuelle Dienstleistungen im Gegenzug für strafrechtliche Ermittlungen verlangt. In die Lokalfolklore ist Aldea hingegen längst durch eine andere caragialesk-kafkaeske Großtat eingegangen: Um 2005 herum traf eine verirrte Gewehrkugel in der Nähe unserer Stadt den Waggon eines Schnellzuges (accelerat), der dort gerade vorbeifuhr. Ein Zufall, daß niemand dabei zu Schaden kam.
Dumm: Die Kugel entstammte laut Zeugen-/Komplizenaussage dem Jagdgewehr von Herrn Aldea. Noch dümmer: Den Fehlschuß soll Herr Aldea bei einer illegalen Jagd = Wilderei anbgegeben haben. Glück für Aldea: Die Ermittlungen in diesem Fall soll der Oberste Staatsanwalt von Schäßburg persönlich geleitet haben. Also er selbst. Der Komplize und Zeuge, der zuvor bei einem Anwalt gebeichtet hatte, “vergaß” daraufhin schnell, was er erlebt und gesehen hatte. Aldea ist nach wie vor Staatsanwalt. In Schäßburg.
Versteht ihr nun, was in Schäßburg seit der Wende abläuft – und warum das alles überhaupt möglich ist?

–  Zurück zur Staatsanwältin, zur Affäre Adi Popa und seinen illegalen Bauten im UNESCO-Bereich Schäßburgs: Sollte die Denkmalschutzbehörde – so die Staatsanwältin – Schritte unternommen haben, um Popas illegalen Bauten “legalisieren” zu lassen, so dreht sich die zuständige Beamte (Frau Vultur) damit selbst einen Strick. Es wird also eng. Wie eng, wird sich aber noch zeigen müssen. Wir leben schließlich im Land der unmöglichsten Möglichkeiten!

…Schließe aus obigen Informationen auch auf den Fall des Pfarrhausabrisses in Deutsch-Kreuz: Solange eine strafrechtliche Ermittlung läuft, dürfte das Ausstellen jeglicher neuer Unterlagen für einen Wiederaufbau des Pfarrhauses illegal sein. Und genau das soll das Denkmalschutzamt Kronstadt durch Herrn Mitran gemacht haben. Andererseits verstehe ich nun auch, warum die Staatsanwaltschaft Reps auf Biegen und Kotzen Brechen die Einstellung der Ermittlungen gegen den Pfarrhausabreißerinhaber Michael Schmidt forciert hat.

Weitere saftige Neuigkeiten aus unserem Dorf:
– Drei Stadträte haben sich von der Stadtverwaltung Unterlagen zur illegalen Vergabe von Baugrundstücken (illegal, weil ohne Stadtratsbeschluß, nur durch Entschluß des Bürgermeisters) an diverse Vetter und Amigos unseres strafrechtlich verurteilten Stadtoberhauptes geben lassen. Daraus lassen sich ein paar fette Strafanzeigen gegen die größten Macher und Macker Schäßburgs basteln – u.a. auch gegen solche, denen führende Vetreter der HOG Schäßburger insistent in den Arsch Hintern zu kriechen versuchen, um dadurch angeblich auch etwas “Gutes” für die Restsachsen hier herauszuschlagen. Kein Wunder, wird doch die HOG u.a. auch von einem securistisch angehauchten, lokalmafiös verquickten Unternehmer geleitet – demselben, der uns um das Jahr 2001 das unsägliche Stadtvergewaltigungsprojekt “Dracula-Park” auf’s Auge zu drücken versuchte!

12.00h:  Eben hat die Bedienung einen Stammgast diskret verscheucht. Er hatte sich mit eingekackten Hosen ins Cafe gesetzt. Der Latte macchiato mit Honig schmeckt gut. Der zweite Latte macchiato mit Honig ebenso. Die Bedienung bringt meinem Hundi eine Schüssel Wasser. Dankeschön! An einem der Nachbartische flößen sich Stammkunden die tägliche Mindestdosis Morgenschnaps ein. Andere organisieren gerade über’s Händi und bei einem Bier den Verkauf von Hühnerküken.

 – Die Bedienung tut mir ohne ihr Wissen gerade einen großen Gefallen: Sie lehnt sich mit ihrem Hinterteil direkt an die Lautsprecherbox neben der Terassentür. Das dämpft die animierende rumänische Fake-Hispanic-Trash-Disco-Musik beträchtlich!
Las manos arriba! Las manos arriba!, singt es da gerade… Aha: Hände hoch! Hände hoch!
Passt bestens zu den Schäßburger Tatort-Geschichten…

13.23h: Die feige Kellnerin bedient nun Gäste, anstatt uns weiter vor der Musik zu beschützen, obwohl wir sie gerade jetzt dringender denn je bräuchten! Modern Talking war nie mein Musikgeschmack! Laute, remixte Modern-Talking-Potpourris noch viel weniger!
Aje! Nix wie weg hier!

Posted by at 29/04/2013
Filed in category: Buerger & Rechte, Kultur & Gut,

19 Responses to Transylvanisches Tagebuch: Schäßburger Cafehaus- und Gaunergeschichten

  1. galut says:

    Ja, solche Texte les ich gern, Hans.

  2. Anonymous says:

    Der Hans, der kann’s
    mit seinem Schreiben die Zeit vertreiben
    Die Welt voll Lumpen er dechiffriert
    und sich darüber echauffiert
    Die Hosen so zum Himmel stinken,
    Dass man kann keinen Kaffee trinken,
    Ihm aber schmeckt er äußerst fein.
    Schäßburgs Macker vor Gericht,
    Ist Hedrichs erste Bürgerpflicht!.
    Und der Skandal an der Geschicht:
    Der Hans kennt keine Wahrheit nicht.

  3. Anonymous says:

    Zu viel der Ehre, Ihr beschämt mich zutiefst.

  4. Reinhard says:

    klingt nach Rechtssystem aus dem 19 Jh. im wilden Westen………oder noch schlimmer: Fürstentümer Walachei & Moldau aus der Zeit von “Jeder darf machen was er will”

  5. hosmok says:

    ” “Drohe” einem der Vorarbeiter auf der Baustelle mit Anzeige, wenn sie die Tafel nicht anbringen. ”
    Hansi, sei doch etwas verständnisvoller: die Arbeiter waren schon um sechs ohne Handyklingelton auf um ab sieben loszulegen. Da kann man schon ein Bauschild vergessen… Bei den Arbeitern kommt das Geld nicht einfach aus dem Automaten.
    Aber OK, was sein muss musss sein: Für das Bauschild sind allerdings die Bürohengste verantwortlich. Stelle Dir doch den Wecker ein, damit Du dort morgens gegen neun mal anrufst – da haben die meisten Büroangestellten in Rumänien ihren Kaffee schon hinter sich und sind leichter erreichbar. Allerdings trinken sie ihren Kaffee nicht im Cafe, wo sie sich darüber mokieren können, sondern am Arbeitsplatz.

    Schade, dass Dein Tageseintrag abrupt bereits mittags endet. War da der Tag schon gelaufen oder dürfen wir auf eine Fortsetzung hoffen?

    • hans says:

      existenzneid, hosemok?

      “Bei den Arbeitern kommt das Geld nicht einfach aus dem Automaten.” – doch. und dafuer muessen sie genauso arbeiten und dabei gesetze einhalten, wie ich auch. punkt.

      “Für das Bauschild sind allerdings die Bürohengste verantwortlich.” – peinlichpeinlich… moege sich hosemok bitte erst einmal informieren und denken, bevor er/sie unsinn schreibt! fuer die infotafel auf der baustelle ist logischerweise der bauherr bzw. die ausführende firma zuständig und kein buerokrat in moeglicherweise zig km entfernung von der baustelle!

      “War da der Tag schon gelaufen oder dürfen wir auf eine Fortsetzung hoffen?” – der tag war noch lange nicht gelaufen und du darfst auf keine fortsetzung hoffen.

      • hosmok says:

        “fuer die infotafel auf der baustelle ist logischerweise der bauherr bzw. die ausführende firma zuständig ”
        Und, wo sitzen die? Im Büro oder im Cafe mit Hansi? Letzteres wäre peinlich, peinlich (für die Bürohengste)…

        • hans says:

          noch einer mit dachschaden und/oder ernsthaften charakterdefekten… das schwere geistige erbe der diktatur(en).

          • hosmok says:

            Hansi, es sei Dir gegönnt Dich lange auszuschlafen und den Tag gemütlich in einem Cafe anzugehen. Aber vielleicht erreichst Du mehr als Gott und die Welt anzupöbeln, jedem der nicht Deiner Meinung ist Schizophrenie oder einen Dachschaden zu attestieren wenn Du Dich mal hinsetzt und die rumänischen Baugesetze einstudierst.

  6. Anonymous says:

    Der gestrenge, ungnädige Hans hat juristisch bislang nichts erwirken können, daher das Reizklima. Gewiss ist seine Rechtsauffassung auch arg alltagspraxisfremd. Zur Eröffnungsfeier in Deutsch-Kreuz wird Hans doch wohl kommen? Bis dann!

    • hans says:

      ich wuerde sehr gerne zur eroeffnungsfeier in DK kommen, nur weiss ich noch nicht, wo ich im august 2017 sein werde!

  7. Anonym says:

    Hänschen macht dies und Hänschen macht das Hänschen verzettelt sich und merkt nicht dass aus ihm ein peinlich agierender Hans geworden ist dem es an Hartnäckigkeit fehlt
    Das überdeckt seinen peinilchen Terminkalender mit Kneipenbesuchen Schäferstündchen und Trixerei
    Da wird nichts zu Ende gebracht weil außer heißer Luft kommt nichts
    Weder bei Hänschen Hedrich noch bei Hänschen Klein
    Werner Schmidt kann ja eine Schild am Haus in DK montieren
    an dieser Stelle stand das Haus in dem das berühmte Hänschen klein geboren wurde
    Weil der alte Hans am Haus verändert hat mußte eine neue Stube her

    Gelangweilt

    • hans says:

      es ermutigt mich zu beobachten, wie irritiert und kopflos manche anonymen kommentatoren ausgerechnet auf unbequeme bis schmerzhafte informationen und kommentare ueber den filz und die krankhafte korruption und verlogenheit im siebenbuergischen und sb.-saechsischen umfeld reagieren.

      null gegenargumente (weil keine vorhanden) gegen meine inhalte, dafuer aber verklemmt-humorlose angriffsversuche auf meine person. ist ja auch verstaendlich…

      schlussfolgerung: so manchen strippenzieher und auftraggeber der namenlosen kommentarautoren scheint die “heisse luft” meiner postings doch etwas zu irritieren.

      • hosmok says:

        “null gegenargumente (weil keine vorhanden) gegen meine inhalte”
        Gegenargumente setzen Argumente voraus. (Cafeklatsch zählt nicht dazu.)
        Hans! Halt uns doch auf dem Laufenden, was Du bei der denkmalgerechten Sanierung des Stern erreicht hast und Du kannst Dir zumindest meiner Wertschätzung sicher sein. Bauarbeiter anzumachen für Sachen, für die der Bauherr verantwortlich ist, vielleicht in die Wege geleitet hat aber sie per Bauschild (noch) nicht ausgewiesen hat, ist aber nur Cafeklatsch.

    • hans says:

      kein zweifel, sie haben einen dachschaden – oder eben einen charakterdefekt! sie behaupten doch tatsaechlich in der letzten zeile – etwas kryptisch – dass der vater von johannes klein am pfarrhaus von DK durch baumassnahmen solche strukturschaeden verursacht hat, dass es abgerissen werden musste. so verstehe ich den satz – “Weil der alte Hans am Haus verändert hat mußte eine neue Stube her”.

      wie bereits mehrfach dargelegt, war das pfarrhaus in DK alles andere als baufaellig. mehr noch: analysiert man die abfolge der ueberstuerzten ereignisse samt der mehrfach illegalen vorgaenge auf der abrissbaustelle, so bleibt ein einziges glaubwuerdiges szenario uebrig:

      die MSS liess das strukturell solide aber renovierungsbeduerftige pfarrhaushaus bewusst abtragen um es durch einen neubau zu ersetzen. eine absicht das haus zu renovieren, hat es waehrend der arbeiten niemals gegeben, wie
      1. die nicht vorhandenen baugenehmigungen,
      2. die nicht dokumentierten anfaenglichen “einsturzstellen”,
      3. die nicht benachrichtigten behoerden sowie
      4. die intensiven arbeiten auf der baustelle des zukuenftigen neubaus
      es mehr als eindeutig belegen.

      wer im april 2013 immer noch andere fantasieszenarien von “baufaelligkeit”, “einsturz” und “unvermeidbarem abriss” in die welt setzt, der setzt bewusst muenchhausengeschichten in umlauf oder ist geistig dermassen minderbemittelt, dass er/sie grundlegenede fakten und einfachste logische zusammenhaenge nicht also solche zu erkennen vermag.

      ergo: sie sind entweder ein luegner oder ein dummkopf. (ich vermute eher ersteres.)

  8. Anonym says:

    Bla bla bla. Hänschen wo lebst du deutsche Pretentionen und rumänisches Lebensgefühl ?
    80% der Renovierungen in Ro werden ohne Papiere gemacht egal ob Monument oder nicht. BIs die Papiere zusammen sind ist das Gebäude ganz kaputt. Besitzer wissen am besten bescheid.
    Wenn etwas passiert dann suchen und finden die LEute Solutionen für die Probleme wenn nicht solche wie Hänschen und Hänschen schlechte ABsicht
    Verbrechen und Koruption riechen und sich reinstecken ohne zu wissen nur mit Vermutung.
    Wenn die Intervention nicht geht sind plötzlich alle korupt und Betrüger. Wie im Kindergarten: wenn du mir nicht recht gibst bist du schlecht und böse und Lügner. Paßt zu Hänschen und Hänschen und ist peinlich.

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