Tabaluga trampelt durch Transylvanien – Offener Brief an Peter Maffay

Sehr geehrter Herr Peter Maffay,

moechte Ihnen auf diesem Wege eine fuer Sie und Ihre Stiftung moeglicherweise wichtige Nachricht uebermitteln. Das tue ich als jemand, der sich Ihnen nicht nur dank der gemeinsamen siebenbuergischen Wurzeln und dem sozialen Engagement sondern auch ueber gemeinsame Bekannte bzw. Anverwandte in einer Kleinstadt im schoenen Oberbayern verbunden fuehlt.

Unlaengst wurde ein Bewohner Radelns/Roades, in Rumaenien, dem Ort in dem die von Ihnen gegruendete Tabaluga-Stiftung versucht, benachteiligten Kindern zu helfen, zu einer mehrjaehrigen Gefaengnisstrafe wegen Totschlags verurteilt. Der Gerichtsakte wurde vor der Urteilsverkuendung ein anklagendes, teils psychologisch erpresserisches Anschreiben seitens Ihres Geschaeftsfuehrers in Radeln, Herrn Michael Morth, beigefuegt, das moeglicherweise mit zum besonders hohen Strafmass von cca. 5 Jahren beigetragen hat. In erster Instanz betrug das Strafmass noch 2,5 Jahre. Im Dorf Radeln sorgt dieser Prozessausgang fuer viel Unruhe – und Angst. Die Angst davor, dass Ihr Geschaeftsfuehrer scheinbar jede ihm missliebige Person “fertigmachen” kann – denn sehr Vieles deutet darauf hin, dass es sich auch in diesem besonders dramatischen Fall um einen persoenlichen Rachefeldzug des Hern M. an einheimischen “Stoerefrieden” handelt.

Dieser letzte Fall ist nur die Spitze eines beinahe ueberwaeltigenden Berges an Konflikten, Problemen, Unzufriedenheiten, Enttaeuschungen und groben Gesetzesverstoessen, die von vielen Bewohnern des Ortes und nicht nur zu einem Grossteil Herrn M. als Urheber zugeschrieben werden. Wie und warum es dazu kam, dass die Anwesenheit von Tabaluga in Radeln ein solch grosses Mass an Unfrieden und viel zu wenig oder kaum Gewinn und Nutzen fuer moeglichst viele gebracht hat, kann und will ich nicht beurteilen. Fakt ist aber: Mit dem Namen “Tabaluga” und “Peter Maffay” assoziieren viele Einheimische ueberwiegend Negatives. Lassen Sie mich deshalb bitte die “problematischten Problemfaelle” der letzten cca. 3 Jahre hier nochmal kurz auffuehren. Auffaellig, wie lang die Liste ist!

01. Herr Morth liess in unmittelbarer Naehe des Stiftungssitzes in der Ortsmitte aus Eigennutz zwei intensiv genutzte oeffentliche Geh- und Karrenwege mit Holztoren verschliessen. Wegen der erheblichen Umwege von cca. 1-2 km koennen einige Bauern ihre Felder deshalb nur noch zeitaufwendig oder kaum erreichen, was ihre auch so schon sehr bescheidenen Lebensstandard nochmal verringert hat.

02. Die Stiftung grub einem Teil der Dorfbewohner buchstaeblich das Wasser ab, als sie einen Wasserspeicher oberhalb des Dorfes errichten liess.

03. Die Stiftung bzw. Herr Morth pachteten den Fussballplatz des Dorfes, der nun von den Kindern und Jugendlichen nicht mehr genutzt werden kann. Es war einer ‘der’ oeffentlichePlaetze, wo sich Jung und Alt immer wieder trafen. Es ist und bleibt ein Raetsel, wie eine kinderliebende Stiftung Kindern einen Spielplatz einfach so wegnehmen kann.
Der Gemeindesaal des Dorfes soll ebenfalls der Stiftung uebertragen worden sein. Wieso? Mit welchem Recht? Obendrein: Trotz gegenteiliger Zusagen haben die Einheimischen keinen Zugang mehr zu diesem Raum. Ist der Ausschluss der Einheimischen von ihrem eigenen Besitz ueberhaupt mit der Steifftungssatzung und den Richtlinien Ihrer Geldgeber vereinbar? Das duerfte ersthaft bezweifelt werden.

04. Ihnen, Herr Maffay, wird vorgeworfen, sich ohne jegliches Einverstaendnis der Eltern mit deren Kindern im Dorf abfotografiert und diese Aufnahmen anschliessend fuer Werbekampagnen in Deutschland und auf Ihrer Webseite genutzt haben. Die Kinder wurden mit ein paar Bonbons und Aehnlichem abgespeist. In die Stiftungskassen spuelten diese Kinderfotos bestimmt mehr als die paar Euro, die in die Zuckerl investiert wurden. (Es fragt sich auch, ob so ein Vorgehen nicht auch strafrechtlich relevant ist?)

05. In Sachen Denkmalschutz schaut es auch nicht besser aus: Abgesehen vom dutzendfachen Aufkauf von alten, teils bewohnten Bauernhaeusern und derer fragwuerdigen “Hochglanzsanierungen” in diesem architektonisch wertvollen Dorf – Haeuser, die nun ueberwiegend leer stehen – geht der Einsturz des Kirchturms der Kirchenburg von Radeln zumindest teilweise auch auf das Konto der Tabaluga-Stiftung. Wieso? Ganz einfach: Weil die Stiftung dessen Konsolidierung vollmundig (schriftlich) versprochen hatte, die paar Zigtausend Euro vom Bundesminsiterium des Inneren (BMI) in Deutschland jedoch anscheinend nicht fuer diesen Zweck oder eben fuer unsachgemaesse Reparaturen ausgegeben hat. Nun haben wir eine Ruine mehr im Dorf – und 20-30 leerstehende “gentrifizierte” Immobilien, von denen kaum jemand etwas hat, noch nicht einmal die Stiftung, deren Taetigkeit anscheinend seit Jahren auf Sparflamme laeuft.

06. Was den systematischen Ankauf von Immobilien betrifft: Der Stiftungssitz im ehemaligen Pfarrhaus sollte anfangs nur angemietet werden – kurz vor Abschluss des Mietvertrages jedoch bestand die Stiftung ploetzlich mit quasi erpresserischem psychischen Druck darauf, zu kaufen – oder eben gar nicht erst nach Radeln zu kommen. Die ‘Masche’ hat funktioniert – auch dank uneingeloester weiterer Versprechungen von Millioneninvestitionen im Dorf.

07. Die soziale oder auch zwischenmenschliche Bilanz von Tabaluga in Radeln ist wohl noch um einiges trauriger als die oben praesentierte. Nicht nur soll Herr Morth uebereinstimmenden Berichten zufolge mehrere Bewohner immer wieder unflaetig, aggressiv und offen rassistisch beschimpft und (mit Hunden) bedroht, teilweise taetlich angegriffen haben – auf sein Betreiben hin hat die Stiftung bisher zwei oder drei alte Bauernhaeuser von der Gemeinde allem Anschein nach illegal erworben und die armen, kinderreichen Mieter schlicht und einfach ohne ein sicheres Zuhause gelassen.

08. Der Erwerb ist zumindest beim letzten Hauskauf (2016) als illegal zu betrachten, da die Gemeinde den Mietvertrag mit dem Mieter weder rechtlich verbindlich gekuendigt hat, noch das Vorkaufrecht des Mieters geachtet oder diesen darueber in Kenntnis gesetzt hat. Selbst auf intensive Anfrage in Anwesenheit eines deutschen Journalistenteams von BR und dpa wollte/konnte der Buergermeister 2016 keines der relevanten Schriftstuecke vorweisen – trotz gesetzlich vorgeschriebener Offenlegungspflicht. Da hilft es nicht, dass Tabaluga den geprellten Mietern ein voruebergehendes Zuhause angeboten hat. Das kompensiert bei weitem nicht das ihnen angetane Unrecht und die handfeste Existenzangst, in die ein Ehepaar und ihre Kinder ueber Monate, mittlerweile Jahre versetzt worden sind.

Und nun die Verurteilung eines Dorfbewohners, nachdem Herr Morth zustaendigen Gericht zuschickte, in dem er mit dem Wegzug der Stiftung aus Radeln (wegen Sicherheitsbedenken) gedroht haben soll, fuer den Fall, dass der als “gemeingefaehrlich” dargestellte Tatverdaechtige nicht fuer mehrere Jahre eingesperrt wuerde. Alles deutet auf einen systematischen Rachefeldzug hin. Herr Morth scheint in Radeln “Seinen Kampf” zu kaempfen. Egal, was ihn dazu treibt, der angerichtete Schmerz und Schaden sind bereits erhelblich – indirekt auch fuer das Image der siebenbuergische-saechsischen Gemeinschaft.

09. Oben beschriebene Themen sind Ihnen und der Stiftungsleitung gewiss nicht unbekannt. Seit Jahren schon versuchen besorgte Buerger, Fachleute, Aktivisten Sie uneigennuetzig auf viele dieser fragwuerdigen oder gar unhaltbaren Zustaende hinzuweisen. Die Antworten waren bisher eher bescheiden – oder blieben ganz aus. Und geschehen ist wenig bis gar nichts, um vor Ort etwas wesentlich zu verbessern.

Es bestreitet andererseits niemand, dass die soziale und wirtschaftliche Lage im Dorf (viel arme Roma-Familien, kaum Zukunftsperspektiven) eine besonders schwierige war und ist – und dass so manches Problem seinen Ursprung im “Zusammenstoss der Kulturen” haben koennte. Die Lebenswelten von ‘Tabaluga’ und der Bewohner von Radeln heute sind teilweise immer noch sehr verschieden und klaffen stark auseinander. Auch kann man davon ausgehen, dass sich mancher Einzelfall je nach Sichtweise sehr unterschiedlich darstellt – ‘Tabaluga’ hat wohl in manchen (oder auch vielen?) Einzelaspekten Recht. Es gilt die Unschuldsvermutung auch im Fall ‘Tabaluga versus Radeln’. Wie Sie sehen, dieser Offene Brief bezweckt nicht, anklagend oder gar verurteilend auf eine Stiftung und eine Kuenstlerpersoenlichkeit zu zeigen, deren aussergewoehnliche Leistungen allgemein bekannt und als solche zu wuerdigen sind!

Es geht schlicht und einfach darum, dass in Radeln irgendetwas so gar nicht ins Bild passen will – egal wie man es dreht und wendet. “Etwas ist faul im Lande Tabaluga”, muss man einfach mal feststellen. Zu krass sind die Missstaende in Radeln. Zu lange dauert die Unzufriedenheit vieler Einheimischen schon an. Zu weit sind grosszuegiger Anspruch und Versprechen und bizzar-schmerzhafte Wirklichkeit voneinander entfernt, als dass man das einfach so abtun und unter den vielzitierten ’Teppich’ kehren koennte.

Versuch eines Fazits:
Dass oben genannte Probleme bzw. deren nachhaltige Loesung die Tabaluga-Stiftung bestimmt etwas angehen, duerfte unbestreitbar sein. In der Selbstdarstellung, in Videos, in Presseberichten erscheint die Stiftung als gemeinwohlorientiert, sensibel, uneigennuetzig, den benachteiligten Kindern(!), Schwachen und Beduerftigen zugewandt – und sie wirbt mit diesem Image betraechtliche Foerdergelder auch aus staatlichen Quellen ein. So weit, so gut. In den deutschen Medien bemerkt man zudem eine auffaellige Zurueckhaltung, die Probleme in Radeln als solche wahr- bzw. sich dieser anzunhemen.

Wie bereits erwaehnt: BR/ARD und dpa haben sich 2016 des Themas angenommen – aus wenig verstaendlichen Gruenden die Berichte aber erst einmal auf Eis gelegt. Klar, wenige Journalisten draengt es dazu, eine Ikone deutscher Popkultur und sozialen Engagements wegen ‘irgendwelcher Geschichten’ im fernen Transylvanien in Frage zu stellen. Das koennte sogar fuer eine Weile funktionieren bzw. es funktioniert scheinbar bestens: Das Thema bleibt weiter ‘unterm Deckel’. Der Druck im Kochtopf steigt aber weiter – und womoeglich platzt er irgendwann – physikalische Gesetze gelten eben auch fuer Promis. Der Imageschaden fuer die Stiftung und deren Gruender duerfte betraechtlich sein.

Die juristisch relevante Sollbruchstelle beim Auseinanderfliegen des ‘Tabaluga-Mythos’ iN Siebenbuergen ist und bleiben der ILLEGALE, unverhohlen zynische Rauswurf einer kinderreichen Familie aus ihrem LEGAL gemieteten Haus zugunsten von ‘Tabaluga’, sowie die Verleumdungskampagnen von Herrn Morth vor Gericht, gegenueber einem Einheimischen, mit moeglicherweise dramatischen existenziellen Folgewirkungen fuer diese Person.
In diesem Sinne moechte ich Sie herzlichst – und doch instaendig – dazu aufrufen, sich all der hier aufgeworfenen Fragen ernsthaft anzunehmen – und die naheliegenden persoenlichen Konsequenzen zu ziehen – konkret, Herrn Morth gegen einen anderen, vor allem passenderen Geschaeftsfuehrer auszuwechseln. Damit waere der erste Schritt getan, um die Lage vor Ort zu deeskalieren und Schritte zu einer Art Neubeginn einzuleiten. Eines laesst sich jedoch nicht leugnen: So wie bisher kann es sich KEINE Stiftung leisten weiterzumachen, egal wie beruehmt ihr ‘Hausherr’ ist – der Fall “Mallorca” beweist es eindruecklich.

mit freundlichen Gruessen
Hans Hedrich, Buergerrechtsaktivist
Verein Neuer Weg, Rumaenien

(verfasst im Fruehjahr – aus aktuellem Anlass veroeffentlichst am 28. 07. 2017)

Gernsheim-Brücke-Ruine
Ueber sieben Bruecken muessen wir alle geh’n – solange sie noch steh’n.

Posted by at 28/07/2017
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2 Responses to Tabaluga trampelt durch Transylvanien – Offener Brief an Peter Maffay

  1. Alexander Eickhoff says:

    Wie vertraegt sich eigentlich das “Haeusersammeln” mit der Satzung der TabalugaStiftung?!

    https://www.petermaffaystiftung.de/deutsch/ueberuns/satzung.html

    Da scheint doch einiges auseinander zu klaffen ……….

  2. Karin Decker-That says:

    Innerhalb des “Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland” gibt man sich – gegenseitig – die Ehre:

    https://www.siebenbuerger.de/zeitung/artikel/kultur/18036-peter-maffay-nimmt-kulturpreis-entgegen.html

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