Separatisten in der Ostukraine: Ihr beruflicher Lebenslauf und ideologisch-sozialer Hintergrund

RO: Trecutul profesional al liderilor separatisti din estul Ucrainei vorbeste de la sine: In structurile de conducere predomina fosti soldati rusi ce au luptat in Afghanistan, Cecenia si Transnistria, retele de KGB-isti, politicieni si functionari cu fir rosu la Moscova, sustinuti de o “armata de deznadajduiti” din cartierele de blocuri decazute ale oraselor industriale. Pe toti acestia ii uneste un mix de ideologii din cele mai diverse si contradictorii.
DE: Der Lebenslauf der meisten Fuehrungsfiguren der Separatisten spricht fuer sich: Es dominieren ehemalige Afghanistan- und Tschetschenienkaempfer, ehemalige und noch taetige sowjetische/russische Geheimdienstler und eine “Armee der Hoffnungslosen” aus den Wohnblockvierteln der Industriestaedte. Geeint werden sie durch einen autoritaeren, meist heterogenen bis sehr widerspruechlichen Ideologiemix…

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Kriegsveteranen und Krimkosaken, Klerikalkommunisten und KGB-Komsomolzen, Chaosritter und Karrieristen – so liesse sich der persoenliche und berufliche Hintergrund der Schluesselpersonen der separatistischen Bewegungen in der Ostukraine zusammenfassen. So stellt es zumindest der in Deutschland lebende russische Osteuropaspezialist  Nikolay Mitrokhin unlaengst in der letzten Ausgabe der renommierten Zeitschrift Osteuropa dar.

Unter dem Titel “Transnationale Provokation – Russische Nationalisten in der Ukraine” laesst er einen bunten bis bizarren Reigen von “russlandorientierten” Aktivisten im Osten der Ukraine Revue passieren. Auf die Vita von etwa zehn Berufsseparatisten geht er dabei naeher ein, wobei er sie in 3-4 Kategorien zu unterteilen versucht und in zwei distinkten Perioden auf der Buehne des Ukraine-Konflikts auftreten laesst.

I. Periode (Ende des Majdan-Protestes bis Anfang Monat April)
1. “Randstaendige Journalisten”, Blogger und Polit-PR-isten, wie z.b. der “Volksgouverneur” von Donetzk, Pavel Gubarev, der Orthodoxismus-Ideologe und Blogger Kiril Frolov, der ebenfalls aus dem orthodoxen Umfeld stammende rechtsnationalistische Jurij Borodaj u.a. Allen werden engste Beziehungen zur kommunistisch-nostalgischen Parteiszene in Russland und der Ukraine (z.B. um Natalja Vitrenko in Kiew), zu rechtsextremen Formationen wie RNE (Russische Nationale Einheit) oder auch einem gewissen Viktor Medvedchuk – Putins Ukraine-Berater und einstigem Leiter der ukrainischen(!) Praesidialverwaltung unter dem duesteren ehemaligen Kleptokratenpraesidenten Leonid Kuchma nachgesagt. Viele dieser Meinungsmacher sollen ausserdem in den letzten Jahren “von Moskau gefoerderte Trainingslager durchlaufen” haben.

2. Ehemalige oder auch gegenwaertige Mitarbeiter des ukrainischen(!) Innenministeriums. Hierzu zaehlen ein gewisser Michail Chimachenko von der selbsternannten Volksmiliz des Donbass u.a.

3. (Ehemalige) Abgeordnete der regulaeren ukrainischen Regionalparlamente mit offen separatistischen Ansichten. Hierzu zaehlt der Autor Sergei Aksenov, den (damaligen?) Ministerpraesidenten der kurzlebigen, von Russland blitzartig einverleibten Republik Krim, Igor Massalow aus der Region Charkiw im NO des Landes und Oleg Carjov, den potentiellen zukuenftigen Fuehrer eines im Suedosten der Ukraine zu gruendenden “Neurussland” (Novorossija).
Es muss gesagt werden, dass viele der hier genannten ueber Jahre hinweg in einschlaegigen Kreisen und mit entsprechenden Taetigkeiten unterwegs waren, was auch ihr zielgerichtetes Handeln und selbstsicheres Auftreten mit erklaert…

II. Periode (Seit der Verhaftung zahlreicher Fuehrungspersonen der I. Periode Anfang April, bis heute)
1. Kriegsveteranen aus Afghanistan, Tschetschenien, Transnistrien bzw. ehemalige Freiwillige in den Jugoslawienkriegen.
Die Herkunft dieser mindestens 40 Jahre alten ehemaligen Kaempfer  ist weniger bekannt, jedoch spricht ihr routinierter Umgang mit Schnellfeuerwaffen und sonstigem Kriegsgeraet eine eindeutige Sprache, dass es sich um Profis des Kriegshandwerks handelt. Ueber einige Exponenten dieser Gruppe wie Valerij Bolotov, Vjacheslav Ponomarev (“Volksbuergermeister” von Sloviansk), Igor Girkin (“Kommandeur der Streitkraefte von Donetzk”) und Pavel Paramonov (“Kommandeur der Selbstverteidigungskraefte” von Donetzk) sowie Jurij Borodaj ist hinreichend bekannt, dass sie frueher militaerisch aktiv waren bzw. Fronterfahrung im In- und Ausland haben.

Das Gefahrenpotential der Russland-Rambos kann nict hoch genug eingeschaetzt werden – laut Mitrokhin soll diese soziale Gruppe  “bereits seit langem eine ganze Gesellschaftsschicht” bilden. Deren ukrainischer Ableger war nicht zufaellig auch bei den “Selbstverteidigungskraeften” des Kiewer Majdan besonders aktiv. Was diese oft vom zivilen Leben frustrierten Ex-Krieger jenseits aller Parteiungen zu einen scheint, ist haeufig der Wunsch, ihren “Kampf zu ende zu kaempfen”.

2. Die “Armee der Frustrierten” (russ:gopniki”)
Diese meist ehemaligen einfachen Soldaten stellen die breite Masse der Bewaffneten dar, die von ihren Anfuehrern, den ehemaligen Profi-Kriegern, mit einem Schiessgewehr an Strassensperren und sonstigen Kontrollposten platziert werden. Diese (i.d.R. russischsprachigen) “deklassierten, gewaltbereiten jungen Maenner” (und Frauen) aus den desolaten Wohnblocksiedlungen der siechen Industriestaedte ehemaliger Sowjetrepubliken eint “ein tiefer Hass auf den Staat, in dem sie leben”, sind sie doch, die Nachkommen der privilegierten russischen Sowjet-Kolonisten von einst, zu einer marginalisierten, oft auch unerwuenschten, misstrauisch beaeugten Minderheit herabgestuft worden.

Aus den Wortmeldungen der Insurgenten jeglicher Kategorie in den Medien liest der Autor des Aufsatzes heraus, dass alles Ukrainische und Westliche (EU, USA) gerne mit “faschistisch” und alles Russische pauschal mit “antifaschistisch” ettikettiert wurde. Die bunt zusammengewuerfelte, heterogene Schar der (teils importierten) Aufstaendischen in der Ostukraine kennzeichnet jedoch ein aus europaeischer Sicht verworrenes, verwirrendes und teils extrem widerspruechliches ideologisches Weltbild, wo zaristisch-imperiales, stalinistisch-kommunistisches und klerikalfaschistisch-antisemitisches Gedankengut fluessig und widerstandslos ineinander uebergeht und sich problemlos miteinader vereinbaren laesst. Donbass-“Guvernator” Gubarev wird in einer ukrainischen Zeitung sogar die Aussage zugeschrieben, “Orthodoxie und Kommunismus miteinander vereinbaren” zu wollen…

Als Schwachpunkt der Arbeit von Mitrokhin wuerde ich die oft plakativ-ironischen Bildunterschriften und den manchmal essayistischen Stil sowie den wertenden Ton mancher Passagen nennen – was wiederum deutlich macht, wie schwierig es in Konfliktsituationen und bei rasend schnellen Entwicklungen selbst fuer wissenschaftliche Publikationen ist, die Neutralitaet der Aussagen und den gewohnt nuechternen Ton zu wahren, sind sie doch mit oder ohne deren Eingestaendnis auch Ziel des Informationskrieges, der bewaffnete Konflikte unweigerlich begleitet.
Der Artikel “Transnationale Provokation…” ist in deutscher Sprache nur gegen Entgelt auf der Internetseite der Deutschen Gesellschaft fuer Osteuropakunde zu beziehen – und kann hier mangels Einverstaendnis der Rechteinhaber nicht hochgeladen werden. Die englische (kuerzere) Fassung ist hier einzusehen >>>

PS: An dieser Stelle, an der Artikel und Blogpostings gewaehnich enden, beginnt der eigentlich spannende Teil, und zwar werfen die oben skizzierten Informationen wiederum zahlreiche neue Fragestellungen auf, die meist nicht zur Sprache kommen. So frage ich mich z.B., ob der wilde Ideologiemix der Kombattanten auf beiden Seiten sowie die Tradition der gewaltvollen Konfliktloesung waehrend der letzten mindestens 100 Jahre in jenen Laendern nicht schon genuegend aussagekraeftige Indikatoren sind, die den (gewaltvollen) Fortgang der Ereignisse in der Ukraine quasi vorhersagen? Ziehen die westlichen Analysten und Entscheidungstraeger diese Aspekte bei ihrer Strategie der Eskalation in Betracht oder glaubt man das problemlos ignorieren zu koennen?

14_05_06_Ukraine
Osteuropa; Nr. 5-6, 2014

Posted by at 29/07/2014
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4 Responses to Separatisten in der Ostukraine: Ihr beruflicher Lebenslauf und ideologisch-sozialer Hintergrund

  1. Anonymous says:

    Die letzten Sowjetsoldaten wurden vor 25 Jahren aus Afghanistan abgezogen. Ihr abgehalfterer autochthoner Lakei öffentlich enthodet und totgeprügelt …

    Wird mit den fiesen Amikreaturen und deren Lakeien in Kabul wohl ähnlich verlaufen …

    Wenn die schäbigen Hiwis (z.B. Deutsche Bundeswehr oder Armata Romana) der Amibesatzer nicht rechtzeitig türmen, wird ihnen ein ähnliches Schicksal widerfahren wie einstens dem “roten Helden” Nadschibullah …

    Dennoch wird wohl allen logisch zu denken Vermögenden klar sein, dass die jüngsten “Sowjetafghanistanveteranen” so um die 50 Jahre sein werden, im Schnitt wohl eher um die 60. Eine reichlich geriatrische Sache bereits. Ob man mit Rheumatikern und Schwerhörigen gut Krieg spielen kann …

    Offiziersburschen, die in Kabul zum Häuslputzen im (sowjetischen) Offizierskasino und zum Heimtragen der Einkäufe der Offiziersehefrauen eingesetzt worden sind, werden ja nicht unbedingt als geeignet betrachtet werden können, könnten vielleicht ein wenig “knuspriger” noch sein …

    Der kommentierte Artikel ist wieder einmal ein “gelungenes Beispiel” für Mastdarmakrobatik im Hintern unserer Besatzer. Immer brav hetzen und möglichst viel Blödsinn verzapfen! Der Verfasser zeichnet sich durch besonders tiefes Eindringen dorthin wo es warm und feucht (und furchtbar stinkend) ist aus! Aber was soll´s? Manche Lebewesen können eben nur von noch irgendwie verwertbaren Resten bereits Verdauten dahinvegetieren …

  2. Igor says:

    Mal wieder dieser degoutante Fäkalienspezialist Szandmann!

  3. hans says:

    anonymous: mitdenken schadet nie, anstatt reflexhaft drauflos zu faekalisieren! alternde afghanistanveteranen koennen sehr wohl im hintergund wertvolle staatsdestabilisierende arbeit leisten sowie an der ideologischen und strippenzieherfront mithelfen! die juengeren tschetschenienveteranen stehen wiederum sichtbar als entscheidungstraeger im vordergrund und geben ihrerseits den “gopniki” aus suburbia die maschinengewehre in die hand + eine schachtel zigaretten am tag als sold.

    dass die afghanistanrueckkehrer eine ganz eigene, ernstzunehmende problemgruppe sind/waren, werden sie bestimmt nicht verneinen!

  4. Anonymous says:

    Problem sind die Verbrecher aus dem Ausland, die in der Ukraine ihr Unwesen treiben!

    z.B. http://www.haaretz.com/news/world/1.577114

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