Mafiöse Goldabbauprojekte, berlusconisierte Medien, selbstkastrierte Behörden – und ein kleiner Sieg darüber

Das beruechtigte, spekulative Goldabbau-Projekt von Goldbach, Rosia Montana, das von ehemaligen Securitate-Geheimdienstlern und Rauschgifthaendlern Anfang der 2000-er Jahre angeleiert wurde, kommt im Genehmigungsverfahren nicht vom Fleck. Die Opposition dagegen zieht sich durch breiteste Gesellschaftsschichten, wobei es dem harten Kern der Protestbewegung v.a. auf juristischem Wege gelungen ist, das Projekt tiefer und  tiefer in den Zyanidsumpf zu versenken, aus dem es sich so leicht nicht befreien wird…

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Rosia Montana, Verespatak, Goldbach in den Westkarpaten in Siebenbuergen/Rumaenien

Umso mehr versucht der in Toronto boersennotierte, steuerparadiesregistrierte Mehrheitseigner der RMGC (Rosia Montana Gold Corporation), Gabriel Resources Ltd., Druck auf Oeffentlichkeit und hoechste Staatsaemter ueber die wirtschaftskrisenbedingt darbenden Massenmedien auszuueben, damit das Umweltministerium dem Projekt endlich die entscheidend wichtige Umweltgenehmigung ausstellen moege.

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Und das geht so:
1. Man gebe millionenschwere Werbeauftraege fuer das Projekt in Auftrag, auf das die grossen TV-Sender und Zeitungen im Gegenzug keine kritischen Artikel mehr zum Thema RMGC veroeffentlichen.
2. Oder man finanziere ueber die Werbeautraege indirekt den Wahlkampf aller Parteien in den Medien stillschweigend mit – und kaufe sich dadurch deren Gunst in den politischen Foren.
3. Oder man denke sich, wie im Dezember 2012 geschehen, eine Volksbefragung (aus Steuergeldern finanziert) zur Wiederaufnahme des Golddbergbaus in ausgewaehlten Doerfern im Kreis Weissenburg/Alba aus, verteile grosszuegig und illegal Wahlgeschenke und kombiniere diese Volksmanipulationsbefragung mit den Massnahmen von Pkt. 1 und 2 (Medienzensur + Manipulation der Politik).

…Sprechen sich beim Referendum eine Mehrheit der Wahlberechtigten fuer den Goldbergbau aus, so bedeutet das zwar keine automatische Wiederaufnahme dieser Taetigkeit in der Region, weil eine Befragung die Einhaltung bestehender Gesetze nicht ueberfluessig macht, dafuer aber waere ein positives Ergebnis eine gute Nachricht, die sich in den Quartalsberichten der RMGC und GR an die Investoren, Investitionsberater und die Boersenaufsicht in Toronto schicken laesst, was mit Sicherheit eine sprunghafte Steigerung des Aktienwertes von GR ausloesen wuerde. (Mit ein bisschen legalem oder auch illegalem Insiderhandel lassen sich dabei ohne grosse Muehe millionenschwere Spekulationsgewinne erzielen, die wiederum in die Kriegs- und Schmiergeldkasse in Rumaenien fliessen. Eine Art Perpetuum mobile!)

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Das Ergebnis genannter Volkspseudobefragung vom 9. Dezember 2012 war trotz massivster Manipulationen, Stimmenkaeufe und Verstoesse gegen das Wahlgesetz, die von den Anti-RMGC-Aktivisten und deren Wahlbeobachtern akribisch notiert und systhematisch reklamiert worden sind, ernuechternd. Obwohl eine Mehrheit fuer den Goldbergbau gestimmt hatte, wurde das noetige Quorum von 50% +1 Stimme der Wahlberechtigten verfehlt, so dass sich im Endeffekt gerade einmal knapp 27% der Wahlberechtigten fuer RMGC & Co. ausgesprochen hatten.

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Tausche Tuete gegen Stimme! RMGC-Angestellte bei der Arbeit.

Was tut man (aus Sicht der Minenfirma und der komplizenhaften Massenmedien) in dieser misslichen Lage? Man bastle sich eine guenstige Exit-Poll-Umfrage, die eine “ueberwaeltigende Zustimmung” der Bevoelkerung fuer den Goldabbau suggeriert und verbreite diese gut 24-48 Stunden in den Nachrichten – verschweige dabei aber, dass das Quorum der Befragung nicht erreicht wurde. Hoffe man dadurch die Boerse in Toronto so weit manipulieren zu koennen, dass der Kurs endlich in die erwuenschte “Erektionsphase” uebergeht und anschliessend wieder einmal kraeftig abgesahnt werden kann. Wichtig bei dieser Medienmanipulation war die schweigende Mittaeterschaft der Medienaufsichtsbehoerde CNA, die trotz schriftlicher Beschwerden der Opposition die Propagandamaschinerie von Realitatea TV, Antena 3, B1 TV usw. ungehindert weiterlaufen liess.

Trotzd alledem stiegen die Boersenkurse in Toronto nicht – der Preis machte ganz im Gegenteil schlapp und schlug sogar einen spitzen Keil nach unten in das auch sonst eher bescheidene Kursdiagramm der Gabriel-Aktie (s. Markierung bei 11a in der Abbildung unten) – moeglicherweise, weil sich Investoren in Uebersee auch aus anderen als Quellen als aus jenen der medienmogulgesteuerten Bukarester Luegenindustrie informieren, so dass sie die Irrelevanz/Redundanz der gefakten Volksbefragung laengst gecheckt und “eingepreist” hatten.

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Was einige Wochen darauf folgte: Anti-Gold-Aktivisten blockierten Ende Januar, nachdem sich CNA beharrlich geweigert hatte, die Muenchhausenmedien zu sanktionieren, in Greenpeace-Manier den Eingang der Behoerde in Bukarest und zwangen dadurch die ueberrumpelten und medial exponierten CNA-Leute, die Beschwerden der RMGC-Opponenten endlich auf die Tagesordnung zu setzen. Am 12. 02. 2013. war es dann soweit: CNA blieb nichts anderes uebrig, als ofiziell festzustellen, dass die reklamierten Massenmedien die Oeffentlichkeit ueber den tatsaechlichen Ausgang der Volksbefragung getaeuscht hatten. Jubel im Lager der Umwelt- und Denkmalschuetzer und noch eine Niederlage fuer die ungeliebte RMGC!

Rosia Montana hat uebrigens alle Chancen dank seiner jahrtausendealten Bergwerkstollen auf die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen zu werden – wenn denn das Kulturministerium die 2010 fertiggestellte Bewerbungsmappe bei der UNESCO endlich einreichen wuerde! Will es aber nicht, weil dadurch das Goldprojekt endgueltig gestorben und der warme Geldregen – bisher cca. 400 Mio. USD an Ausgaben seitens RMGC – genauso endgueltig gestoppt wuerde.

Die Aktivisten der Kampagne Rettet Rosia Montana sind mittlerweile mit ihren Aktionen schon einen Schritt weiter: Am vergangenen Sonntag, den 16. 02. teilten mehrere Zig Freiwillige knapp 30.000 Exemplare einer  Gratiszeitung in den Doerfern der Westkarpaten aus, die von der gefakten Volksbefragung ‘heimgesucht’ worden waren. Ausgabe Nr. 1 von “Apusenii Liberi” hat als Schwerpunktthema das manipulierte Referendum vom Dezember 2012.

PS: In Halkidiki in Nordgriechenland, wo aehnlich windige Skato-Investoren* aehnlich aggressive Goldminenprojekte durchzudruecken versuchen, werfen Aktivisten den Bewohnern der Region keine alternativen Zeitungen in die Briefkaesten, sondern den Minenbetreibern in die Autos. Und auch nicht bedrucktes Papier sondern Brandsaetze.

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Zum Fall Rosia Montana entstand Mitte der 2000er Jahre der ungarische Dok-Film New Eldorado und 2012 Rosia Montana – Dorf am Abgrund

Ein Video und mehrere Fotos von der Verteilungskampagne der Zeitung weiter unten.


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Posted by at 17/02/2013
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2 Responses to Mafiöse Goldabbauprojekte, berlusconisierte Medien, selbstkastrierte Behörden – und ein kleiner Sieg darüber

  1. Alexander Eickhoff says:

    Zunaechst moechte ich vorausschicken, ich verfolge die Vorgaenge um Rosia Montana ueber lange Zeit, wie ich auch andere Aktivitaeten verfolge die sich dem Erhalt von Kultur, Landschaft und Menschenrechten widmen.

    Was mir allerdings immer wie Wermutstropfen bei den Erfolgen, den lobenswerten Engagements der Aktiven die Freude an solchen Berichten bitter schmeckt, ist der Eindruck das die eigentlich ueberfaellige Forderung “Wir fordern ein Gemeinwesen in dem die Menschen mehrheitlich nach ihren Interessen entscheiden, nicht die wirtschaftlichen Interessen von Minderheiten” in den Hintergrund geraet. Anders gesagt, dienen solche Einsaetze fuer Teilfragen nicht unterm Strich den Interessen der Oligarchen indem sie vom Gesamtbild ablenken?

  2. hans says:

    ich sehe es eher als eine allgemeine schwaeche der rumaenischen gesellschaft, dass sie kein gemeinwesen im eigentlichen sinne zu bilden faehig und willig ist. das ist kulturell bedingt und nicht ohne weiteres zu aendern. das hoechste der gefuehle in RO sind in etwa dies art von aktionen, wie im artikel beschrieben…

    hans

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