Kreatives Planspiel zur Zukunft der deutschen Minderheit in Rumaenien – ein Erfahrungsbericht

von Alexander Eickhoff

Vom 23. bis 25. Mai 2014 fand im Elimheim in Michelsberg die 3. Stufe des Planspiels „Zukunft der deutschen Minderheit in Rumänien“ statt. Informationen zu Hintergründen und Veranstaltern finden sie unter der Internetadresse Planspiel.ro. Ich möchte mich im folgenden auf meine sicher sehr subjektiven Eindrücke beschränken.

Auftakt der Veranstaltung war ein Empfang im Spiegelsaal des DFDR Sitzes in Hermannstadt. Die Moderatoren des Planspiels stellten sich und ihre Absichten vor, den fiktiven Ort Achtberg, in dem das Spiel stattfinden sollte, sowie die Überlegungen und Konzepte die diesem Planspiel zu Grunde liegen.

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Am Samstag wurde es dann „ernst“, die Rollenprofile für die Mitspieler wurden gezogen. Die Rollenprofile enthielten eine grobe Personenbeschreibung dessen, der gespielt werden sollte, also Volksgruppenzugehörigkeit, Beruf, evtl. charakterliche Eigenarten. So entstand aus den rund 30 Mitspielern eine Bevölkerung Achtbergs, sowie von Funktionsträgern und Interessierten auch darüberhinaus, also die „Gemengelage“ von Personen und Ansprüchen, die sich im Zusammenhang mit der deutschen Minderheit findet.

Die politische Situation in Achtberg lässt sich kurz zuammenfassen. Der bekannte Trubadour Schall-May „droht“ mit der Gründung einer Stiftung, um daraus jährlich mit einer Million Euro Projekte zu fördern. Die Bedingungen sind zunächst unbekannt. Wie stehen Achtberg, seine Bewohner, sein Stadtrat, die Botschafterin Deutschlands, der „neu-deutsche“ Wirtschaftsclub dazu?

Aus diesen Vorgaben entspann sich eine muntere Aktion zwischen den Teilnehmern in ihren Rollen, der Wirtschaftsclub begann eifrig ein Projekt zur Ausbildung Jugendlicher zu planen, um dem Personalmangel abzuhelfen, eine gruppenübergreifende Interessengemenischaft zum Bau eines Jugendzentrums entstand, teilweise gestützt von den „Rumänen“, die sich gleich zu Beginn entzweiten in eben diesen Flügel und einen „brutal opportunistischen“. Der Stadtrat entschied sich gleich in seiner ersten Sitzung zum kritischen Umgang mit dem Gönner, die Vertreter des „deutschen Konvents“ waren mit sich selbst beschäftigt, Neuwahl des Vorsitzenden usw.

Sie vermuten zu Recht, dass Ähnlichkeiten mit den realen Verhältnissen nicht ganz zufällig waren, auch die weiteren Ereignisse kommen einem bekannt vor. Schall-May, von dem inzwischen auch bekannt geworden ist, dass er der Erwerber der Kirchenanlage „St Petrus“, dem Wahrzeichen der Stadt ist, gibt die Förderungsbedingungen seiner Stiftung bekannt. Unter anderem legt er Wert auf Nachhaltigkeit, die Förderung der deutschen Minderheit ist zentrales Anliegen, Organisationen, nur landesweit Agierende sind Antragsberechtigt, sie dürfen allerdings in ihrer Satzung keine „ethnischen Restriktionen“ enthalten, der Stadtrat soll als „Jury“ entscheiden, welche Projekte gefördert werden sollen. Stiftungsgelder, die nicht abgerufen werden sollen zum Aufbau eines „Divorce“ (Scheidungs-) Centers eingesetzt werden.

Sofort machen sich alle Mitspieler daran, Projekte zu entwickeln, um in den Genuss der Stiftungsgelder zu gelangen, einzig den opportunistischen Rumänen ist egal, was gefördert wird, irgend etwas wird schon für sie abfallen. Der Stadtrat beginnt mit Überlegungen, nicht bedenkend, dass er ja sicher keine landesweit agierende Organisation ist, der „deutsche Konvent“ entwickelt Vorstellungen, wie man die Gelder verwenden könne, allerdings übersieht auch er, dass er, weil ja nur „Deutschen Alt-Achtbergern“ zugänglich, seine Satzung also „ethnische Restriktionen“ enthält, gar nicht antragsberechtigt ist. Der Wirtschaftsclub beginnt sofort mit Lobbyarbeit, also der Verbreiterung seiner Basis.

In dieses Szenario platzt nun Schall-May bei einer Pressekonferenz mit der Schreckensnachricht, dass die Kirche „St. Petrus“ eingestürzt sei, er sofort den „originalgetreuen“ Wiederaufbau in Angriff zu nehmen gedenke, das Betoneisen schon vorhanden sei, aber leider die Stiftungsmittel um 250.000 Euro kürzen müsse, um das Geld für den Wiederaufbau von „St Petrus“ aufbringen zu können. Diese Nachricht wurde erstaunlich unbewegt von den Mitspielern aufgenommen, das Gerangel um die Projekte und Stiftungsgelder setzte sich fort, einzig der Bürgermeister forderte nach einer Atempause eine genaue Untersuchung der Umstände des „Zusammenpralls“. In der Folge kam es zu einer Einvernahme eines Bauingenieurs, nach dessen Aussage die von Schall-May genannte Ursache, eine Regentonne, aus der sich Wasser in die Fundamente gezogen hätten, gewissen Zweifeln unterlag, so dass Schall-May für den Zusammensturz verantwortlich gemacht wurde.

Jetzt war die Stimmung gekippt! Der „neu-deutsche“ Wirtschaftsclub und der von ihm gegründete Verein besaß nun mehr Mitglieder als der „deutsche Konvent“, der Stadtrat, gänzlich unbeeindruckt vom stark rückläufigen Tourismus, beschloss Front gegen Schall-May zu machen und keine Stiftungsgelder vergeben zu wollen, der Wirtschaftsclub fand immer noch keinen gemeinsamen Weg mit dem „deutsche Konvent“, das geplante Ausbildungszentrum, das auf der Verwendung auch von Stiftungsgeldern beruht war gefährdet.

Nun tritt der Stadtrat die Flucht an, trifft keine Entscheidung, sondern überlässt diese der Bürgerschaft. Ergebnis: das Jugendzentrum wird mit großer Stimmenmehrheit beschlossen, die Gelder stellt der Minderheitenrat zur Verfügung. Ende des Planspiels, Nachbesprechung.

Sicher verkürzt und genau so sicher subjektiv, trotzdem denke ich lassen sich einige Schlüsse ziehen:
1. Die überwiegend jungen Teilnehmer konnten ihre Interessen durchsetzen, ein Lichtblick für die alternde deutsche Minderheit.
2.- Der weit überwiegende Teil der Mitspieler war nicht bereit, sich an einen Gönner bzw. Großsponsor, der, wie ein Mitglied des Konvents gewisse Zweifel an seiner moralischen Integrität aufkommen lässt, zu verkaufen.
3. Die nicht zu Stande gekommene Übereinkunft zwischen „deutschem Konvent“ und „neu-deutschem“ Wirtschaftsclub ist dem Zeitmangel am Ende des Spiels zuzuschreiben, keinesfalls der mangelnden Beweglichkeit oder Bereitschaft beider Seiten.
4. Mein persönliches Fazit lautet, dass sich etwas im Planspiel bewegt hat. Das gibt Hoffnung, dass sich auch in der Realität etwas bewegt. Viele Mitspieler haben durch ihre Rollen dazugelernt, ihren Blick geweitet, manche Schwierigkeit aus anderem Blickwinkel erlebt und verstanden.
Ich bedanke mich bei den Veranstaltern und Initiatoren für ein intensives, lehrreiches Wochenende.

Posted by at 03/06/2014
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2 Responses to Kreatives Planspiel zur Zukunft der deutschen Minderheit in Rumaenien – ein Erfahrungsbericht

  1. Uwe says:

    Sehr interessante Zusammenfassung! Waere selber gern dabei gewesen, war aber verhindert. Ich freue mich dass die Schluesse von Hans positiv sind und dass sich etwas bewegt. Hoffe auch auf mehr (junge) Rueckkehrer, die sich einsetzen und einbringen.

    • hans says:

      danke, uwe!
      der bericht stammt von alexander eickhoff, selbst wenn ich den gepostet habe!

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