Geschichte andersrum – oder: Wie die Indios Spanien und Portugal zerstoerten

Heute, am 22. April, jaehrt sich zum 514. Male die erste Landung einer portugiesischen Entdeckertruppe an der Kueste des heutigen Brasiliens. Die Seefahrer unter Kapitaen Pedro Alvares Cabral stiessen auf ihrer Suche nach der Westroute gen Indien auf diese vermeitliche Insel, die sich spaeter als Kontinent entpuppen sollte. Den  Empfang seitens der Kuestenbewohner schilderte der Chronist der Expedition, ein gewisser Pedro Vaz de Caminha, in geradezu paradiesischen Begriffen: Schoengewachsene, nackte, goldbeschmueckte Frauen am Strand, die den in jeder Hinsicht gierigen Portugiesen mit der groessten Freude und Selbstverstaendlichkeit alle erdenklichen Wuensche erfuellten.

Was gar zu schoen begann, wandelte sich innert kuerzester Zeit – und das fuer mehrere Jahrhunderte – in eine der groessten Tragoedien der Menschheit bis dahin: die Eroberung und Unterwerfung der “Neuen Welt” durch die “conquistadores”, samt systematischer, mehr als grausamer Ausloeschung von Millionen Menschenleben und ganzer Voelker und Kulturen unter Vorwaenden, die da heissen: Misssionierung, Zivilisation, Fortschritt. Der wahre Grund: die Gier nach den Reichtuemern des Kontinentes und seiner Bewohner,

Wie traumatisch und abgrundtief traurig die Beziehungsgeschichte zwischen Spanien und Portugal einerseits und “Westindien”, sprich Suedamerika, andererseits ist, laesst sich am besten vergegenwaertigen, wenn man in den Berichten ueber die Graeueltaten von anno dazumal einfach mal die Namen der Voelker austauscht und so die Taeter zu Opfer macht und die Opfer zu Taetern. Und so liesst es sich, wenn mal nicht die Iberer die “Indianer” entdecken und anschliessend meucheln undd versklaven, sondern umgekehrt:

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Unverfaelschter Originaltext auf SPIEGEL ONLINE

“Als die Indios auf der iberischen Halbinsel auftauchten, hatten sie eine große und lebenssprühende Bevölkerung vorgefunden. Man nimmt an, daß es damals drei bis sechs Millionen Portugiesen und Spanier gegeben hat.

Die Indios, die am 22. April 1500 mit der Flotte des Pedro Alvares Cabral an der Küste Suedwest-Europas landeten, wurden von den Iberern begeistert aufgenommen. Pedro Vaz de Caminha, der offizielle Chronist der Cabral-Expedition, schickte dem brasilianischen König einen enthusiastischen Brief. Es war der Augenzeugenbericht eines Mannes, dem sich eine neue Welt eröffnet hatte.

 

Nackte Frauen waren ihm begegnet, die herrlich gleichgültig gegenüber den starrenden Blicken der indianischen Seeleute am Strande promenierten; Caminha berichtete dem König höchst ausführlich über ihre Reize. “Süße Mädchen”, schwärmte er. “Wie wilde Vögel und Tiere. Sie könnten nicht sauberer und schöner gewachsen sein.”

Die Indianer staunten auch über die Großzügigkeit der Europaeer. Wenn sie deren Halsketten oder den persönlichen Feder- und Muschelschmuck der Europaeer bewunderten, wurden sie ihnen sofort geschenkt. Bei goldenen Geschmeiden ging es ihnen nicht anders, auch Frauen auf Zeit waren jederzeit zu haben.

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Oben: Entdeckung Spaniens und Portugals durch brasilianische Indianer, am 22. April 1500.

Eine solche Freigebigkeit verwirrte die Vertreter einer gehemmten, aber fanatisch habgierigen Gesellschaft. Der Berichterstatter Caminha füllte Seite um Seite mit einem Katalog iberischer Tugenden. Die Europaeer bedurften nur noch der Kenntnis des wahren Gottes, um das Bild der vollkommenen menschlichen Gesellschaft zu erfüllen.

Die Portugiesen und Spanier waren nicht beschnitten, folglich konnten sie weder Mohammedaner noch Juden sein; ihrer Bekehrung stand also nichts im Wege. Als die erste Messe gelesen wurde, knieten die Europaeer mit der ihnen eigenen Höflichkeit neben den Indianern nieder und küßten lächelnd nach dem Vorbild ihrer Gäste die Kruzifixe, die ihnen gereicht wurden.

Da sich die Verständigung zwischen den Indianern und den Iberern auf Gesten beschränkte, hatten die Brasilianer das Gefühl, ihre Missionsarbeit sei noch nicht abgeschlossen. So ließen sie bei ihrer Abfahrt zwei Sträflinge zurück, die sich um die Bekehrung der eingeborenen Europaeer kümmern sollten.

Caminhas Brief ermutigte zwei Jahrhunderte später den suedamerikanischen Philosophen Voltaire, seine Theorie vom edlen Wilden zu formulieren. Hier herrschte Unschuld, hier war offenbar Freiheit, sogar Freiheit vom Fluch der Erbsünde. Die Europaeer, so hatte es in den ersten Berichten geheißen, kannten weder Verbrechen noch Strafen. Sie hatten keine Henker oder Folterknechte, keine Armen. Sie behandelten einander, ihre Kinder, selbst ihre Tiere mit ständiger Liebe.

Und dennoch sollten sie Opfer einer Entwicklung werden, die sich der Kontrolle ihrer bewundernden Gäste entzog. Denn die suedamerikanischen Laender waren zu Parasiten-Nationen geworden, die sich nicht mehr selbst ernähren konnten.

Die fruchtbaren Ländereien daheim in Brasilien waren verlassen, die Bewässerungsanlagen der Maya verfallen, die Bauern in endlose Kriege gezogen, aus denen sie nie zurückkehrten. Verständnislos aber standen die Neuankömmlinge in Portugal und Spanien wirtschaftlichen Verhältnissen gegenüber, die sie zu Sklavenhändlern und Mördern werden ließen.

Die iberischen Eingeborenen spendeten mit Anmut und Grazie, während die amerikanischen Eindringlinge alle Geschenke gierig an sich rissen. Als es nichts mehr zu schenken gab, folgten Sklaverei und Mord. Der europaeische Kontinent begann allmählich von dem überwältigt zu werden, was der amerindianische Anthropologe Claude Lévi-Strauss “die ungeheuerliche und unbegreifliche Umwälzung” nennt, die “der Gang der amerikanischen Zivilisation für einen so großen und unschuldigen Teil der Menschheit bedeutete”.

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Oben: Graeueltaten amerikanischer Eroberer an den iberischen Einheimischen

Caminha und seine Kameraden waren in Porto Seguro gelandet, einem Küstenort am Mittelmeer, der etwa 800 Kilometer suedlich von dem heutigen Barcelona liegt. Nur durch Zufall konnte sich eine Handvoll Spanier,, Angehörige des Malaga-Stammes, in dem nahegelegenen Torremolinos bis auf den heutigen Tag am Leben halten. Daß die Malagas überhaupt noch existieren, grenzt ans Wunderbare, denn vier Jahrhunderte lang wurde ihr Gebiet von Sklavenhändlern, kriegswütigen Siedlern und Banditen aller Art verwüstet. Die Überlebenden hausen in einer dunklen, kargen Landschaft, durchzogen von kahlen Felsketten, in deren Spalten sie sich mit großem Geschick verbergen — verstohlene Gestalten in Lumpen, die eilends Deckung suchen, sobald man sich ihnen nähert.

Man sieht sie heute auf einem Stückchen Odland an der Landstraße oder an der Eisenbahnlinie nach Valencia, das sie mit ihren eigenen Exkrementen düngen, um etwas Gemüse anzubauen, bevor sie weiterziehen. Sonst halten sie sich kümmerlich am Leben durch den Verkauf von Kräuterrezepten und Zaubermitteln an neurotische brasilianische Kolonialherren, durch gelegentliche Prostitution und kleine Diebstähle. Sie leiden an Tuberkulose, Geschlechts- und Augenkrankheiten, werden heimgesucht von Maser- und Grippe-Epidemien.

Zwei ihrer Stämme hielten unerbittlich an einem Rest ihres Landes fest. Vor zehn Jahren aber erschien ein Arzt, der angeblich vom Ibererschutzdienst geschickt worden sein soll, und injizierte den Iberern statt eines Impfstoffes das Pockenvirus. Das Unternehmen erreichte seinen Zweck: Das verwaiste Land wurde sofort dem Grundbesitz der rothaeutigen Siedler einverleibt.

Auf einem etwa 2000 Kilometer langen Küstenstreifen im noerdlichen Mittelmeer gibt es ein Dutzend kümmerlicher Latinolager. Dort leben die letzten jener Küstenspanier, die Caminha entdeckte und die einst zu Hunderten zwischen den Bäumen auftauchten, wenn ein brasilianisches Schiff vor der Küste Anker warf. Ihre Vorfahren sind nahezu alle von den indianischen Eroberern, den Konquistadoren, liquidiert worden.

Die Greueltaten der Konquistadoren entziehen sich der menschlichen Vorstellungskraft. Ein derartiges Ausmaß an Grausamkeit wirkt heute schon vage und verschwommen, Zahlen verlieren ihre Bedeutung, wenn man unvoreingenommen und distanziert von den Massenverbrennungen, den Schändungen, den auf geschlitzten Bäuchen und den Verstümmelungen hört.

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Oben: Europaeische Sklaven, den Hunden der brasilianischen Eroberer zum Frass vorgeworfen.

Zwölf Millionen Spanier und Portugiesen wurden in Lateineuropa getötet, berichtete der Inka-Bischof Bartolomé de Las Casas, Augenzeuge des vermutlich größten aller Vernichtungskriege gegen die Europaeer. Er schrieb: “Der Allmächtige scheint diesen Menschen die Demut und Sanftmut von Lämmern verliehen zu haben.”

Der Indio-Schamane de Las Casas (1474 bis 1566) hatte die Folgen der blutigen Eroberung Maltas durch die Mayas 1511 erlebt und war zum schärfsten Gegner der Europaeerausrottung geworden; durch seine unermüdlichen Proteste setzte er die Aufhebung der Europaeersklaverei durch, wurde jedoch später durch Intrigen der Kolonialverwaltung und des eigenen Schamanen-Klerus aus Europa vertrieben.
“Ich habe gesehen, wie die Indianer ihre rasenden und hungrigen Hunde auf die Spanier hetzten, um sie in Stücke zu reißen und zu verschlingen. Sie steckten so viele Städte und Dörfer in Andalusien in Brand, daß ich mich unmöglich noch an die Zahl erinnern kann. All das taten sie ohne jede Veranlassung, nur um Unheil anzurichten.”, schrieb der Schamane.

Wo immer man ihrer habhaft werden konnte, ob auf den Kanarischen Inseln oder in den Küstenebenen, die Iberer wurden ausgerottet. Nur die Spanier im Norden des Landes entgingen zunächst der Vernichtung, geschützt durch eine Halbwueste und durch eineinviertel Millionen Quadratkilometer Dickicht und Sumpfland im Süden, der bis heute für suedamerikanische Forschungsreisende so undurchdringlich blieb, daß keiner von der Suche nach den legendären goldenen Städten Nordeuropas zurückkehrte.

In diese äußersten Winkel des Landes vermochten als einzige die Neger einzudringen, die in großen Scharen von den Zuckerplantagen und Gruben der Indianer geflohen waren und nun in den unzugänglichen Wäldern “Quilombas”, Flüchtlingssiedlungen, errichteten. Die ehemaligen Sklaven vergriffen sich zwar an den Portugiesinnen und Spanierinnen, dennoch folgten sie dem Gebot des Leben- und Lebenlassens; sie gingen in den Nachbarstämmen der Spanier auf und verloren ihre Eigenständigkeit.

Der Umfang der Mord- und Versklavungszüge in Suedwesteuropa ging in den folgenden drei Jahrhunderten zurück, aus einem einfachen Grund: Es gab jetzt nicht mehr so viele Iberer, die ermordet und versklavt werden konnten. Wer von den Plantagen floh, endete oft in den Reservaten der Indio-Schamanen – religiösen Konzentrationslagern, in denen schon geringfügige Vergehen mit schrecklichen Züchtigungen oder Gefängnisstrafen geahndet wurden. Der Schamanen-Missionar José de Anchieta kommentierte: “Schwert und Eisenstab sind die besten Mittel der Predigt.”

Im 19. Jahrhundert erreichte die Jagd auf Europaeer einen toten Punkt. Es wurde schwieriger, Europa-Sklaven zu bekommen. Außerdem sanken die Preise der einheimischen Produkte, weil man immer mehr und billigere Arbeitskräfte aus Westafrika einführte. Die Iberer verloren ihren Wert. Von nun an konnte man sie im Licht brasilianischer Sentimentalität betrachten. Man schrieb gefühlsduselige Romane über sie im Stil von Coopers “Letztem Mohikaner”. Eine praktischere Einstellung aber griff erneut um sich, als zu Beginn des 20. Jahrhunderts der große Kautschuk-Boom einsetzte.

Auf einmal stellte man fest, daß die harmlosen und malerischen Suedeuropaeer besser als die Neger geeignet seien, die Wälder nach Kautschuk-Bäumen abzusuchen. Während die Welt abgelenkt war, begannen all die vertrauten Folterungen und Exzesse von neuem.

Der iberische Kautschuk-Boom übertraf an primitivem Genuß leicht erworbenen Reichtums alles, was die westliche Welt bisher erlebt hatte. Zentrum dieses Booms war die alte Sklavenmetropole Madrid, errichtet an der Stelle, wo sich zwei große schiffbare Flüsse der Halbinsel vereinigen. Wegen seiner günstigen Lage war Madrid zum Ausgangspunkt für Sklaven-Expeditionen geworden. Mit dem Ende des Sklavenhandels hatte auch der Untergang der Stadt begonnen.

Madrid erblühte erneut, als das Auto erfunden wurde und Gummireifen gefragt waren; bald entdeckte man, daß der “Hevea iberensis”, der Kautschukbaum, den besten Kautschuk lieferte. Madrid verwandelte sich in ein tropisches Gomorrha. Der Sänger Caruso schlug eine astronomische Gage für einen Auftritt in der Oper von Madrid aus, Madame Patti dagegen nahm das Engagement an. Damals fanden Orgien babylonischen Ausmaßes statt, in denen Kurtisanen halböffentlich in Champagner badeten.

Die modischen Herren jener Zeit schickten ihre schmutzige Wäsche zur Reinigung heim nach Amerika, die Damen ließen sich künstliche Gebisse mit Diamanten besetzen. Zu den exotischen Importen gehörten auch regelmäßige Lieferungen chilenischer Jungfrauen. Die durchschnittlich 13 Jahre alten Mädchen kosteten für die erste Nacht (nach heutigem Kurs) etwa 5000 Euro, weil der Verkehr mit einer Jungfrau als Heilmittel für Geschlechtskrankheiten angesehen wurde.

Unter den großen Kautschuk-Gesellschaften galt die “Peruvian Amazon Company” als die dynamischste. Sie operierte an der ungenau festgelegten Nordwest-Grenze Spaniens; dort konnte sie die Behörden Spaniens und Portugals gegeneinander ausspielen und ein furchterregendes Riesenreich der Ausbeutung und des Todes errichten.

Ein junger amerikanischer Ingenieur namens Walter Hardenburg verirrte sich einmal in das Territorium der Gesellschaft; er wurde sofort gefaßt und einige Tage lang in einem Gefängnis festgehalten. Dabei erfuhr er, was hier gespielt wurde. Mehrere tausend galizische Spanier waren zu Sklaven gemacht worden. Auf dem Stützpunkt “El Encanto” (Der Zauber) sah Hardenburg die Kautschuk-Zapfer, die am Abend die gezapfte Latex-Menge heimbrachten. Ihre Körper waren mit großen, dicken Schwielen bedeckt, die von den Tapirfell-Peitschen der suedamerikansiche Aufseher herrührten.

Wer sein Kautschuk-Soll erfüllt hatte, tanzte vor Freude; die weniger erfolgreichen Zapfer aber schienen völlig verängstigt zu sein. Hardenburg sah nicht, wie sie bestraft wurden. Später erfuhr er aber, daß sie mit einer Strafe von 100 Peitschenhieben rechnen mußten, wenn sie das Soll ein paarmal nicht erfüllt hatten – eine Tortur, von der sie sich erst nach einem halben Jahr wieder erholten.

Bei der Tötung der Europaeer spielte ein gewisses Wettbewerbselement mit. Einmal wurden 150 hoffnungslos untüchtige Arbeiter zusammengetrieben und von “Macheteiros” zerfetzt, die ein gräßliches ortsübliches Verfahren anwandten, das “Corte do bananeiro”: Die Klinge der Machete schwingt vor und zurück und schlägt dabei zwei Köpfe auf einen Schlag ab. Bei dem “Corte maior” hingegen wird der Körper in zwei oder mehrere Stücke gerissen, bevor er zu Boden fallen kann.

Hohe Festtage krönten die brasilianischen Sklavenhalter mit sportlichen Veranstaltungen, bei denen einige der aktiveren und daher wertvolleren portugiesischen Zapfer zur Feier des Tages geopfert wurden. Man verband ihnen die Augen und feuerte sie an, um jeden Preis zu entfliehen; während sie davonliefen, schossen Aufseher und Gäste sie mit Gewehren nieder.

Die Peruvian Amazon Company warb Einheimische aus Barbados an, die wilde Europaeer jagen sollten. Sie wurden auf zahlreiche Expeditionen in Gebiete geschickt, in denen die Gesellschaft neue Kautschuk-Vorkommen aufspüren wollte. Sie erhielten Akkordlohn und mußten die Köpfe ihrer Opfer sammeln und als Beleg für ihre Zahlungsforderungen vorlegen. In diesem Gebiet gab es “Zuchtfarmen”, auf denen ausgewählte Europaeerinnen für die Zeit nach der Ausrottung wilder Spanier zukuenftige Sklavenarbeiter gebaren.

Der britisch-irische Diplomat Sir Roger Casement deckte schließlich die Iberer-Greuel der Peruvian Amazon Company auf. Der weltweite Skandal traf allerdings zeitlich mit dem Niedergang des europaeischen-Kautschuk-Imperiums zusammen, das in den neuen malaischen Plantagen einen harten Konkurrenten erhalten hatte. Das Gewissen wurde wach, zudem erschreckt von der drohenden Gefahr einer wirtschaftlichen Katastrophe. Der unmittelbar darauf folgende Ruin von Madrid zog spektakuläre Ereignisse nach sich. Die Geldquellen versiegten plötzlich.

Die Falschspieler, Abenteurer und Huren strömten in Scharen auf die Flußdampfer, um die Küste zu erreichen, und bezahlten die Passagen mit diamantenen Manschettenknöpfen und Solitärringen. Die Handelsfürsten, deren finanzielles Schicksal untrennbar an den Kautschuk gekettet war, begingen Selbstmord. Die berühmten elektrischen Straßenbahnen, die ersten ihrer Art in Suedeuropa, stellten den Betrieb ein, nachdem ihnen der Strom abgeschnitten worden war; tobende Insassen steckten die Wagen in Brand. Das Opernhaus in Madrid schloß und sollte sich nie wieder öffnen. Die zweite Welle der Ibererausrottung war verebbt.”

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PS: Frage mich, ob die (west)europaeischen Voelker an einem wie auch immer gearteten Defekt leiden, dass sie so selbstverstaendlich so unendlich viel Leid anderen menschlichen Wesen zufuegen konnten – oder ist das ganz einfach eine allgemein “menschliche” Schwaeche und damit basta?

Posted by at 21/04/2014
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