Ein (sued)osteuropaeischer Blick auf westeuropaeische Grossraumkonzepte

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Alexander Wladimirowitsch Koschewnikow, aka Alexandre Kojeve. Quelle >>>

Wie Telepolis berichtet, entfaltet sich im krisenbedingten europaeischen Kontext gerade eine kleine aber feine italienisch-franzoesisch-deutsche Intellektuellendebatte ueber das Leitmotiv deutscher Wirtschaftsdominanz in Europa und eine moegliche Alternative zur deutsch-franzoesischen Vernunftehe Freundschaft, die da hiesse, sowas wie ein “Lateinisches Reich” – sprich eine Union von Italien, Frankreich und ‘Iberien’ zu schaffen. Originalartikel siehe hier:  Rudolf Maresch: Europas Hegemon unter intellektuellem Kreuzfeuer.

Wie das schlaue Internetportal gewohnt kenntnis- und detailreich nachzuweisen versteht, sind solche Ideen schon ein Weilchen aelter und gehen u.a. auf den russisch-franzoesischen Philosophen und Beamten und KGB-Mitarbeiter Alexandre Kojeve zurueck, der just nach WK II seinem damaligen Arbeitgeber – einem gewissen Herrn De-Gaulle – mit beinahe hellseherischer Deutlichkeit eine Vision des dilemmatischen Europas der kommenden Jahrzehnte aufzeigte, das unweigerlich von einem wirtschaftlich wiedererstarkten, wenn auch friedliebenden, international eingebundenen (gleichzeitig aber wiederbewaffneten) Deutschland dominiert werden wuerde. Auch Kojeve empfahl Frankreich, sich um des Erhaltes seiner Lebensart willen verstaerkt dem Mittelmeerraum zuzuwenden, um sich von Deutschlands Dominanz zu befreien.

Soweit, so gut… Aus siebenbuergischer bzw. altrumaenischer Sicht ist die Debaatte nicht irrelevant, spiegelt sich doch in der geschichtlichen und kulturellen Doppelkoepfigkeit des heutigen Rumaeniens sehr viel vom Streben Habsburgs/Deutschlands und Frankreichs nach Gestaltung dieser Grossregion wieder. Man denke – sofern man vor dem Gedanken keine Angst hat – an die wirtschaftsstrategisch motivierte Neugestaltung der Grenzen Ungarns bzw. Rumaeniens nach 1918/1920, die die Neugestaltung der Grenzen von Deutschland und Frankreich zur selben Zeit widerspiegelte und die fuer Siebenbuergen als Objekt dieser Verschiebungen vielleicht die groesste Mutation seiner Geschichte nach sich zog: eine ueber Jahrzehnte andauernde, bis heute anhaltenden von Bukarest vorangetriebene ethnisch-demographisch-konfessionelle Umgestaltung, sprich Orientalisierung dieser mitteleuropaeischen Region – zwecks “nachhaltiger” Pluenderung.
Dass dabei ein genuin mitteleuropaeischer Mikrokosmos unter kleptonationalistisch rumaenischem Vorzeichen unter den Augen der blinden europaeischen Oeffentlichkeit vorsaetzlich zermalen, zerhaeckselt und “zernichtst” wird, stoert dabei niemanden. Weder Paris, noch Berlin, noch Bruessel.

Es gaebe noch bedeutend mehr zu diesen Themen zu sagen, ich beschraenke mich aber auf die Bemerkung/Schlussfolgerung, dass meinem Empfinden nach Siebenbuergen/Rumaenien sowas wie das Barometer Mittel- bzw. Gesamteuropas sind – wobei der Balkanraum (suedlich der Donau) sowieso als Wetterkueche des Kontinentes gilt. Oder anders gesagt: der Balkan ist ein Epizentrum europaeischer Politik und Siebenbuergen/Rumaenien ein Seismograph.

Will damit sagen, dass aus der Symptomatik der transylvanischen Um-, Zu- und Missstaende in Sachen interethnische und interkonfessionelle Beziehungen, Wirtschaft, Politik, Verwaltung, Korruption, Eliten ein ziemlich praezises und aktuelles Bild der sich gerade abspielenden Ereignisse weiter westlich gezeichnet werden kann.
Folglich: Ein genauerer Blick der Altrumaenen und der Siebenbuerger auf die eigene Heimat lohnt sich also allemal und wuerde spannende Perspektiven und kreative Neudefinitionen Rumaeniens und Siebenbuergens ermoeglichen, die uns aus dem jetzigen und zu erwartenden zukuenftigen Mief herausholen koennten!

 

Posted by at 09/06/2013
Filed in category: Buerger & Rechte, Politik & Wirtschaft,

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